Das feierliche Pontifikalamt fand in der Kirche St. Michael in Unterframmering statt, die zum Pfarrverband Landau an der Isar im Bistum Passau gehört. Auch der Ort der Feier hat eine besondere Bedeutung: Unmittelbar neben dem Gotteshaus liegt Schloss Tannegg, eine Einrichtung der Ordenswerke für Menschen mit chronischen Abhängigkeitserkrankungen. Die Bewohnerinnen und Bewohner nutzen die Kirche regelmäßig – sie ist als „ihre Kirche“ fest in den Alltag eingebunden.
Ein besonderer Ort für einen besonderen Tag
In der Regel finden Diakonenweihen am Provinzsitz in Weyarn statt. Frater Fabian ist seit seinem Ordenseintritt 2020 in verschiedenen Bereichen der Ordenswerke tätig. Prior Christoph Kehr OT entsprach daher gerne seinem Wunsch, die Weihe in einer Einrichtung des Ordens stattfinden zu lassen. Statt einer großen Feier fiel die Entscheidung bewusst darauf, diesen Tag gemeinsam mit den Menschen in Schloss Tannegg zu gestalten.
Die kleine Kirche füllte sich mit den rund 35 Bewohnerinnen und Bewohnern, Mitarbeitenden, Angehörigen der Pfarrei sowie der Familie des Weihekandidaten. Aus München reiste Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg an, um Frater Fabian durch das Auflegen seiner Hände die Weihe zu spenden. Mit ihm standen Generalabt Frank Bayard OT, Hochmeister des Deutschen Ordens, der eigens aus Wien gekommen war, sowie weitere Geistliche am Altar. In seiner Predigt stellte Weihbischof Stolberg die zeitlose Botschaft der Georgslegende in den Mittelpunkt: Am Ende steht der Sieg des Guten über das Unheil und das Böse in der Welt. Daraus leitet sich der zentrale und doppelte Auftrag des Diakons ab: Gottes Liebe durch Verkündigung und Tatkraft für die Menschen erfahrbar zu machen.
Gelebter Auftrag
Der diakonische Dienst ist im Deutschen Orden und seinen Ordenswerken von zentraler Bedeutung. Der christliche Glaube und seine Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen will gelebt und in konkretes Handeln übersetzt werden. In den Einrichtungen der Ordenswerke wird diese Überzeugung erfahrbar – im Umgang miteinander, in der Begleitung von Menschen, im täglichen Füreinander. Orte wie Schloss Tannegg stehen dafür, dass das Evangelium nicht abstrakt bleibt, sondern im Alltag Gestalt annimmt.
Die Bewohnerinnen und Bewohner im Mittelpunkt
Nicht nur für Frater Fabian, auch für die Bewohnerinnen und Bewohner von Schloss Tannegg war dieser Tag von großer Bedeutung. Viele hatten sich über Wochen auf die Feier vorbereitet, halfen bei den Vorbereitungen und gestalteten den Rahmen aktiv mit, so wie Bewohnerin Andrea: “An der Weihe von Frater Fabian teilnehmen zu dürfen war ein sehr unvergessliches und bewegendes Erlebnis für mich. Als Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg dem Fabian Stola und Dalmatik umlegte, blieb irgendwie die Zeit kurz stehen. Die Kirche war in diesem Moment wie verzaubert. Man sah Fabian an, welche Würde es für ihn war, von nun an Diakon zu sein.”
Mit sichtbarem Stolz führten sie Gäste durch das Haus, erklärten Abläufe und gaben Einblicke in ihren Alltag. Die Weihe selbst stand im Mittelpunkt – und machte zugleich sichtbar, was das Schloss Tannegg auszeichnet.