Miesbacher Merkur, Holzkirchen, 29. Okt. 2003

Auf Zick-Zack-Kurs zum Lieben Gott

Aus evangelischem Bub wird ein Frater des Deutschen Ordens

VON STEPHAN KIPPES Weyarn - Geradeaus verlief der Weg nicht, auf dem Gott Frater Jens Bergmann zum Deutschen Orden nach Weyarn geführt hat. Der 29-Jährige hat kürzlich die zeitliche Profess abgelegt. Aufgewachsen ist der Westfale in evangelischem Glauben in einem atheistischen Elternhaus. Es war seine Faszination für die Orgelmusik, die ihm die Kirchentüren öffnete. Er besuchte eine Choralschule und entschloss sich, Geistlicher zu werden. Die Frage war nur, in welcher Kirche.

Drei Semester studierte Bergmann evangelische Theologie. "Das war nicht mein Weg." Er brach ab, konvertierte zum katholischen Glauben, meldete sich im Priesterseminar in Paderborn an und begann von vorne mit dem Theologiestudium. Kürzlich hat er beim Deutschen Orden in Weyarn seine zeitliche Profess gefeiert. Der Weyarner Kirchenchor hat sich schon auf den Orgelspieler "gestürzt". Weitere Aufgaben in der Gemeinde stehen ihm bevor.

Jens Bergmann will Gott begegnen, nicht einen Vortrag über ihn hören. "Der evangelische Gottesdienst ist mehr eine Lehrveranstaltung als ein Kult", so Bergmann. Der Westfale schätzt die Sinnlichkeit des katholischen Gottesdienstes, die Messgewänder, den Duft des Weihrauchs und die Begegnung mit Gott in der Eucharistiefeier.

Wie eine "Priester-WG" funktioniere im Konvent des Deutschen Ordens das Zusammenleben. "Ich habe nach einem liberalen Orden gesucht, der mir Freiheit lässt und Gemeinschaft bietet", sagt Bergmann. Er strebt in München das Lizentiat im Kirchenrecht an. Ohne Regelwerk funktioniere die Kirche genauso wenig wie jede andere Gemeinschaft, meint Frater Jens. Auch er hat die Gelübde Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam abgelegt. "Traditionen und Regularien vermitteln ein Heimatgefühl. Das sind oft Kleinigkeiten und Gewohnheiten, die dieses Gefühl erhalten", so der Frater.

Als Priesteramtskandidat stand Bergmann vor der Wahl zwischen Ordensleben und Weltpriestertum. Weil er aber angesichts des Priestermangels womöglich fünf Gemeinden hätte betreuen müssen und alleine hätte leben müssen, reifte in ihm der Gedanke, den Ordensweg einzuschlagen. "Es niemandem recht machen zu können, das behagt mir nicht." Letztlich fiel seine Wahl auf den Deutschen Orden, weil er "in der Pfarrseelsorge verhaftet ist".

Ein Jahr lang hat Frater Bergmann als Novize den Deutschen Orden in Maria Birnbaum in Sielenbach kennen gelernt, bevor er die zeitliche Profess feierte. Drei Jahre wird er an das Priesteramt herangeführt. Dann steht er vor der Entscheidung, die ewige Profess abzulegen, um die Priesterweihen zu empfangen. Seine Eltern respektieren den Weg, den er eingeschlagen hat, "weil sie wissen, dass es eine gereifte Entscheidung ist". Ein einschneidendes Erlebnis habe ihn nicht dorthin geführt, aber einen Drang, diesem Weg zu folgen, verspüre er. "Gott hat mich auf diesen Weg geführt. Ich vertraue darauf, dass er mich durchführt."