Die Geschichte des Deutschen Ordens
Der Staat des Deutschen Ordens
Der Deutsche Orden im Reich: Aufstieg und Krise
Konsolidierung und innere Erneuerung nach der Reform
Französische Revolution und Napoleons Diktat
Der Deutsche Orden im Schutze Habsburgs
Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg
Von Akkon zur Marienburg
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Der Deutsche Orden, dessen Mitglieder sich nach einem ehemaligen deutschen
Spital in Jerusalem "Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem" nannten,
wurde 1190 in Akkon gegründet, zunächst als Spitalbruderschaft und
seit 1198 auch als ritterliche Kampfgemeinschaft zum Schutz der Pilger im Heiligen
Land.
Nach Johannitern und Templern war der Deutsche Orden der dritte der großen
geistlichen Ritterorden der Kreuzzugszeit. Fast 100 Jahre jünger als jene,
folgte er im wesentlichen den von ihnen vorgebildeten Regeln und Organisationsmustern.
Nach dem Vorbild der Templer wurde der weiße Mantel
übernommen; an die Stelle des roten trat das schwarze Kreuz.
Wegen der Vormachtstellung der beiden älteren Orden im Orient blieb das
Herrschaftsgebiet des Deutschen Ordens auf die Umgebung von Akkon und Montfort
sowie das Hinterland von Tyrus beschränkt. Schon früh begann daher
die Ordensleitung, auch anderenorts nach Kampfaufgaben Ausschau zu halten.
Unter dem bedeutenden Hochmeister Hermann von Salza (1209 - 1239), einem Vertrauten
Kaiser Friedrichs II., fand man eine solche zunächst kurzzeitig im siebenbürgischen
Burzenland, endgültig dann, einem Hilfegesuch des Herzogs von Masowien
folgend, im Kulmer Land am Unterlauf der Weichsel. Von hier aus gelang dem
Orden im Kampf gegen die heidnischen Pruzzen die Errichtung eines geschlossenen
Herrschaftsgebiets, das nach der Vereinigung mit dem Schwertbrüderorden
zeitweise von der Grenze Pommerns bis zum Finnischen Meerbusen reichte. Nach
dem Verlust Akkons 1291 verlegte der Hochmeister seinen
Amtssitz zuerst nach Venedig, dann 1309 in die Marienburg.
Der Staat des Deutschen Ordens
Vom Hochmeister und seinem Verwaltungsstab nach modern anmutenden Richtlinien straff geführt, wuchs der Ordensstaat zur stärksten Macht im Ostseeraum heran. Eine hoch entwickelte zentrale Finanzverwaltung lieferte für die staatlichen und militärischen Aufgaben hinreichende Einkünfte.
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Montfort |
Am Ausbau der eroberten Gebiete waren Siedler aus allen Teilen des Reiches
beteiligt; nach und nach wuchsen sie mit der alteingesessenen preußischen
Bevölkerung zusammen. Zur Sicherung wurden die Landschaften mit einem
Netz von Burgen
überzogen; zur Förderung wirtschaftlicher Prosperität gründete
der Orden zahlreiche Städte.
Dem Hochmeister standen in der Leitung des Ordensstaates fünf Großgebietiger
zur Seite. Während der Hochmeister,
der Großkomtur und der Treßler (Schatzmeister) in der Marienburg
residierten, hatte der Spitler (Leiter des Hospitalwesens) seinen Sitz in Elbing,
der Trapier (verantwortlich für Bekleidung und Ausrüstung) in Christburg
und der Marschall (Chef des militärischen Bereichs) in Königsberg.
Generalprokuratoren bei der Kurie lieferten über ein gut organisiertes
Botensystem der Ordensleitung detaillierte Informationen über die jeweilige
Lage im Reich und in Europa.
In seiner Frühzeit rekrutierte sich der Orden vorwiegend aus dem niederen
Adel. Er bot nachgeborenen Söhnen Aufstiegschancen und den Geschlechtern,
aus denen sie stammten, gehobenes Ansehen. Den Ritterbrüdern gleichberechtigt
waren die Priesterbrüder. Ihnen oblag die Feier des Offiziums und die
seelsorgliche Betreuung der Mitbrüder, ferner die Pflege von Kunst und
Wissenschaft. Ihre Geltung nahm freilich im 14. und 15. Jahrhundert gegenüber
den Ritterbrüdern ab. Weitere Gruppen von Ordensmitgliedern waren die
nichtadligen Sariantbrüder (Leichtbewaffnete und niedere Amtsträger),
die Halbbrüder und Halbschwestern (im Kranken- und Wirtschaftsdienst).
Im Ordensland entwickelte sich eine nicht unbedeutende Literatur, die, von
der Ordensleitung gefördert und gelenkt, auf die Bedürfnisse des
Ordens abgestimmt war. Themen waren vor allem die Geschichte des Ordens, die
Heilige Schrift und das Leben der Heiligen. Einige dieser Werke, etwa das Passional
und das Väterbuch, wirkten bis in die heutige Zeit fort.
Auseinandersetzungen mit den aufbegehrenden Ständen, die sich in ihrer
Selbstbehauptung gegen den Orden gelegentlich auch mit Polen verbündeten,
und die 1386 vollzogene Vereinigung des christlich gewordenen Litauen mit Polen
unter dem Großfürsten Jagiello führten 1410 zur schweren Niederlage
des Ordens bei Tannenberg und brachen dessen Vormachtstellung. Der Übertritt
des Hochmeisters Albrecht von
Brandenburg zum evangelischen Glauben 1525 und die Umwandlung des nach dem
ersten und zweiten Thorner Frieden (1411 und 1466) verbliebenen Ordenslandes
in ein weltliches erbliches Herzogtum beendeten schließlich die Herrschaft
des Deutschen Ordens im preußischen und baltischen Raum.
Der Deutsche Orden im Reich: Aufstieg und Krise
Im Reichsgebiet hatte der Deutsche Orden schon früh vielerorts festen Fuß gefasst. Viele Schenkungen und andere Übereignungen verschafften ihm umfangreichen Grundbesitz. Er wurde von Kommenden verwaltet, die im Reichsgebiet (1280) in 13 Ordensprovinzen, Balleien genannt, zusammengefasst waren. Die Kommenden waren keineswegs nur Etappenstationen für die Fronten des Heidenkampfes;
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| Marienburg an der Nogat |
vielmehr wuchsen sie immer stärker auch in das regionale Geflecht politischer
Beziehungen und Interessen hinein. Oft dienten die repräsentativeren unter
ihnen bei Reichsversammlungen und Reisen des hohen Adels als Fürstenquartier.
In späteren Zeiten verhalfen sie Adligen zu standesgemäßer
Versorgung.
Oberster Amtsträger des Ordens im Reich war der Deutschmeister.
Inhaber dieses Amtes versuchten im 15. Jahrhundert, einen Teil der ihnen unterstellten
Gebiete zu einer geschlossenen Herrschaft zusammenzufassen und sich somit einen
eigenen "Staat"
zu schaffen, mit der Tendenz, sich von den Herrschaftsgebieten im Osten abzugrenzen.
Bereits 1494 wurde der Deutschmeister von
Kaiser Maximilian in den Reichsfürstenstand erhoben. Dies erleichterte
später den Wiederaufbau des Ordens nach der sich anbahnenden schweren
Krise.
Das 15. und beginnende 16. Jahrhundert brachten für den Orden schlimme
Zeiten. Abgesehen von den bedrohlichen Machteinbußen im Osten seit 1466,
gefährdeten die Hussitenstürme den Bestand der Ballei Böhmen.
In Südeuropa mussten wichtige Außenpositionen -etwa Apulien und
Sizilien- aufgegeben werden. Nach dem Staatsstreich Albrechts von Brandenburg
verblieben als Ordensgebiet nur noch die Balleien im Reich. Zusätzlich
wurde die Macht des Ordens durch die Bauernkriege erschüttert, die gerade
sein Kerngebiet -den Südwesten des Reichs- verwüsteten und die Burg
Horneck am Neckar, den Sitz des Deutschmeisters, zerstörten. Da die Reformatoren
das Ordensleben als etwas Naturwidriges ablehnten, stellte die neue Lehre auch
das innere Leben des Ordens in Frage. Zahlreiche Ritterbrüder und vor
allem Priesterbrüder legten ihr Ordenskleid ab, nachdem schon in den zurückliegenden
Jahrzehnten die anderen Ordenszweige aufgegeben worden waren.
Konsolidierung und innere Erneuerung nach der Reform
Unter dem Deutschmeister Walther
von Cronberg (1525 - 1543) gelang die äußere Konsolidierung des
Ordens. Vom Kaiser erhielt er 1527 die Berechtigung, sich "Administrator des Hochmeistertums" zu nennen und damit den Besitzanspruch auf Preußen
aufrechtzuerhalten. Aus dieser Bezeichnung entstand später der Kurztitel "Hoch- und Deutschmeister". Auf dem Frankfurter Generalkapitel 1529 wurde
die "Cronbergsche Konstitution" erlassen: das zukünftige Verfassungsgesetz
der Adelskorporation. Residenz des Ordensoberhauptes und
zugleich Sitz der Zentralbehörden der dem Hochmeister unmittelbar
unterstellten Gebiete wurde Mergentheim. Außerhalb dieses sich neu formierenden
Ordensstaates, der seine Landeshoheit konsequent ausbaute, entwickelten sich
die von den Landkomturen geführten Balleien zu weitgehend selbständigen
Gebilden; einige von ihnen hatten den Rang von Reichsständen und rangierten
in der Matrikel in der Gruppe der Prälaten. Oft gerieten sie in die Abhängigkeit
benachbarter Adelsfamilien, die ihre Söhne traditionell in den Orden entsandten.
In Thüringen, Sachsen, Hessen und Utrecht, wo sich die neue Lehre fest
etabliert hatte, gab es auch lutherische und reformierte Ordensbrüder,
die sich -dem korporativen Denken des Adels folgend- dem Hochmeister gegenüber
loyal verhielten, auch im Zölibat lebten und nur die Gelübdeformel
durch einen Eid ersetzten. -Zum ersten Mal 1590 und später immer häufiger
wählte man den Hoch- und Deutschmeister aus
führenden Geschlechtern katholischer Territorialstaaten, vor allem aus
dem Haus Österreich. Dies schuf neue familiäre und politische Querverbindungen
zum deutschen Hochadel, ließ aber auch den Orden mehr und mehr zu einem
Objekt habsburgischer Politik werden.
In diesem Rahmen begann im Laufe des 16. Jahrhunderts die innere Erneuerung
des Ordens. Nach den Umwälzungen der vergangenen Zeit war es dessen Aufgabe,
seinen Standort neu zu bestimmen und die ursprünglichen Forderungen der
Ordensregel auf die veränderten Verhältnisse der Gegenwart zu beziehen.
So rief die katholische Reform den Orden zu seinen geistlichen Pflichten zurück.
Gerade auf diesem Gebiet gab es viel zu tun. Das eher auf Exklusivität
drängende Standesdenken des Adels hatte die Bedeutung der meist nichtadligen
Priesterbrüder zurückgedrängt. Im Generalkapitel hatten sie
in der Neuzeit weder Sitz noch Stimme. Die Seelsorge in den Kommenden lag oft
in den Händen von Angehörigen anderer Orden. Seit Laien mit juristischer
Ausbildung in den Kanzleien des Ordens arbeiteten, war auch dieser Dienst für
Priesterbrüder versperrt. Aus all diesen Gründen war die Zahl der
Priesterbrüder stark gesunken.
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Deutschordensschloss
Mergentheim
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Die Ordensleitung beschloss, den Forderungen des Konzils von Trient folgend,
Priesterseminare zu errichten: das erste 1574 in Köln, das zweite 1606
in Mergentheim. Gründer des letzteren war Hochmeister Erzherzog
Maximilian von Österreich (1590 - 1618), dessen Initiative es zuzuschreiben
war, dass Tirol katholisch blieb. Künftig spielten die Ordensniederlassungen
in evangelisch gewordenen Städten bei der Seelsorge für durchreisende
Katholiken oder für die wenigen dort verbliebenen Altgläubigen eine
wichtige Rolle. Auch gewann in einigen Kommenden der Gedanke der Hospitalität
wieder an Boden, wie die Errichtung eines dreistöckigen Spitals 1568 in
Sachsenhausen zeigt.
Als wichtigste Aufgabe betrachtete der Orden jedoch den kampfbereiten Einsatz
der Ritterbrüder, die sich seit dem 17. Jahrhundert auch "cavalliere" nannten,
bei Aufgaben für Kaiser und Reich, vor allem bei solchen, die der Verteidigung
des Glaubens dienten. Hierfür boten die Türkenkriege das wichtigste
Feld. Trotz finanzieller Nöte leistete der Orden erhebliche Beiträge
für die Türkenhilfe. Ritterbrüder dienten als Offiziere in Truppen
von katholischen Reichsfürsten und in der kaiserlichen Armee. Seit 1696
stellte der Orden das Regiment "Hoch- und Deutschmeister"
das spätere Wiener Hausregiment. Alle jungen Ritterbrüder hatten
ihr exercitium militare abzuleisten: sie mussten für drei Jahre als Offiziere
in einer Grenzburg dienen, ehe sie Ordensämter übernahmen. Viele
haben sich im Kampf ausgezeichnet, viele sind gefallen.
Nach den Nöten des Dreißigjährigen Krieges begann im Orden
eine rege Bautätigkeit. Prächtige Schlösser, oft verbunden mit
mächtigen Schlosskirchen, und repräsentative Kommendenhäuser
wurden errichtet: in Ellingen, Nürnberg, Sachsenhausen, Altshausen, Beuggen,
Altenbiesen und an vielen anderen Orten. Daneben entstanden zahlreiche neue,
reich ausgestattete Dorf- und Stadtkirchen sowie Zweckbauten, wie Hospitäler,
Rat-, Schul- und Bürgerhäuser, Gewerbegebäude, Mühlen,
Brücken und andere. Sie legen Zeugnis ab von der bedeutenden kulturellen
Leistung des Ordens im Reichsgebiet.
Französische Revolution und Napoleons Diktat
Frankreichs Revolutionskriege im ausgehenden 18. Jahrhundert leiteten die zweite große Krise des Ordens ein. Mit der Abtretung des linken Rheinufers an Napoleon gingen die Balleien Elsaß und Lothringen ganz, Koblenz und Biesen zum größeren Teil verloren. Der Friede von Preßburg 1805 bestimmte, daß die Besitzungen des Deutschen Ordens und das Amt des Hoch- und Deutschmeisters erblich an das Haus Österreich übergehen sollten. Zwar ließ Kaiser Franz den Orden, dessen Hochmeister sein Bruder Viktor war, unangetastet; Amt und Orden waren aber künftig eingebunden in die Souveränität Österreichs. Am 24. April 1809 erklärte Napoleon den Orden in den Rheinbundstaaten für aufgelöst; der Ordensbesitz wurde an die Fürsten des Rheinbundes abgetreten. Dem Orden verblieben nur noch die Besitzungen in Schlesien und Böhmen sowie die Ballei Österreich mit Ausnahme der an die illyrischen Provinzen abgetretenen Kommenden (Krain). Die Ballei An der Etsch (Tirol) war an die Königreiche Bayern und Italien gefallen. Zwar kehrten beim Wiener Kongress 1815 die Krain und Tirol an Österreich zurück -und damit die noch nicht verkauften Besitzungen an den Orden-. An die Wiederherstellung einer eigenen Souveränität des klein gewordenen Ordens war aber nicht zu denken.
Der Deutsche Orden im Schutze Habsburgs
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Es war Kaiser Franz I. von Österreich, der nach Jahren der Ungewissheit über
die Zukunft des Ordens neue Wege
öffnete. Im Jahre 1834 verzichtete er auf alle Anrechte aus dem Artikel
12 des Preßburger Friedens und setzte damit den Orden wieder in alle
früheren Rechte und Pflichten ein. Der Orden wurde aus der Oberaufsicht
der landesfürstlichen Behörde entlassen und erhielt den Rang eines
selbständigen geistlichen Instituts, das nur durch das Lehensband mit
dem Kaisertum verknüpft war. Diese weise Rechtsfigur verhinderte etwa
100 Jahre später, bei der Auflösung der Donaumonarchie, dass der
Orden als österreichischer Ehrenorden verstanden wurde, dessen Güter
Eigentum des Hauses Habsburg wären und somit von den Nachfolgestaaten
hätten eingezogen werden können. Auf diesen kaiserlichen Beschluss
hin nahm das Großkapitel des Ordens eine neue Verfassung an, die "Statuten
des Deutschen Ritterordens", und ließ sie 1840 vom Kaiser bestätigen.
Der Aufschwung, den der Orden in den nächsten Jahrzehnten nahm, war vor
allem zwei Personen zu verdanken: dem Hochmeister Erzherzog Maximilian (1835 - 1863), einem Mann von großer Frömmigkeit
und strenger Lebensführung, und P.
Peter Rigler, Theologieprofessor aus Trient, der 1842 in Bozen die Ordensprofess
ablegte und zusammen mit Hochmeister Maximilian zur treibenden Kraft der Ordensreform
wurde. Um den Orden seinen ursprünglichen Bestimmungen näherzuführen,
wurde 1840 das mittelalterliche Institut der Deutschordensschwestern wieder
belebt und 1842 der Versuch eingeleitet, die Ordenspriester, die bisher verstreut
in ihren Ordenspfarreien lebten, fester zu Gemeinschaften, Konvente genannt,
zusammenzuführen.
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1854 bestätigte Papst Pius IX. das Schwesterninstitut und die "Regeln
der Schwestern vom Deutschen Hause Sankt Marien zu Jerusalem". Durch Beschluss
des Großkapitels wurde es 1855 in den Deutschen Ritterorden aufgenommen.
Damals zählte das Institut bereits 120 Mitglieder, verteilt auf 3 Mutterhäuser
in Lanegg, Troppau und Freudenthal mit ihren Filialen. Weitere Mutterhäuser
wurden 1880 in Friesach (Kärnten), 1889 in Friedau (heute Jugoslawien)
errichtet. 1855 wurde unter P.
Riglers Leitung in Lana der erste, 1858 in Mähren (seit 1866 in Troppau)
der zweite Priesterkonvent gegründet. Ihre Regel wurde 1865 vom Großkapitel,
1866 vom Kaiser anerkannt und 1871 von Papst Pius IX. als "Regel der Konventsbrüder
des Deutschen Hauses" bestätigt. Aus beiden Konventen kam eine große
Zahl von Priestern, die der Orden für seine Pfarreien und für die
geistliche Leitung der Schwestern brauchte. 1897 wurden in Laibach, 1924 in
Gumpoldskirchen weitere Konvente errichtet.
Die Ritter des Ordens wandten sich seit den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts
dem Kriegssanitätswesen zu, auch im Gedenken an den Ursprung des Ordens
in einem Feldlazarett bei Akkon 1190. Anlass war unter anderem das allgemeine
Entsetzen
über das Elend der Kriegsverletzten in der Schlacht von Solferino (1859).
Mehrfach schon im 19. Jahrhundert, vor allem aber im Ersten Weltkrieg richtete
der Orden Feldspitäler ein. Um die nötigen Geldsummen aufzubringen,
wurden alle Ordensritter zu jährlichen Beiträgen verpflichtet und
dazu im Jahre 1866 das Institut der Ehrenritter, 1871 das der Marianer des
Deutschen Ordens geschaffen.
Der geistliche Deutsche Orden
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Der
Zusammenbruch der Donaumonarchie 1918 zerriss den Deutschen Orden in vier durch
Staatsgrenzen getrennte Provinzen: Österreich, Italien für Südtirol,
Tschechoslowakei und Jugoslawien. Nur in Österreich schienen Chancen für
das Überleben des Ordens zu bestehen. In den anderen Nachfolgestaaten
wurde der Orden zunächst als ein Habsbuger Ehrenorden betrachtet, und
es drohte die Einziehung des Vermögens als vermeintliches Eigentum Habsburgs.
Daraufhin verzichtete Hochmeister
Erzherzog Eugen 1923 auf sein Amt, ließ den Ordenspriester Norbert
Klein, damals Bischof von Brünn, zum Koadjutor wählen und dankte
gleichzeitig ab. Damit war Bischof Klein Hochmeister.
Bis Ende 1927 erkannten nun alle Nachfolgestaaten der Donaumonarchie den Deutschen
Orden als geistlichen Orden an. In der neuen Regel, die 1929 von Papst Pius
XI. gutgeheißen wurde, lag die Generalleitung des Ordens in den Händen
von Priestern, die Provinzleitung übernahmen die Priore bzw. die Provinzoberinnen.
1936 gewährte der Papst das Privileg, dass die Kongregation der Deutschordensschwestern
unter der unmittelbaren Leitung des Hochmeisters und des Generalkapitels des
Ordens stehen dürfe.
Die beginnende Aufbauarbeit wurde durch die Nationalsozialisten zerschlagen.
1938 wurde der Deutsche Orden in Österreich, 1939 in der von Hitler annektierten
Tschechoslowakei verboten. In Jugoslawien wurde er infolge der Kriegs- und Nachkriegsereignisse
verfolgt, in Südtirol hatte er unter dem Faschismus zu leiden.
Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg
Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltete
sich schwierig. Nur in Osterreich wurde das Aufhebungsdekret 1947 annulliert
und das Vermögen dem Orden zurückgegeben. Dort und in Südtirol
kehrte der Orden seit Ende der vierziger Jahre zu den Aufgaben zurück,
die ihm Nationalsozialismus und Krieg aus den Händen geschlagen hatten:
Krankenpflege, Dienst in Kindergärten, (Fach-)Schulen, Schüler-,
Studenten- und Altersheimen, Errichtung und Ausbau entsprechender Einrichtungen,
Versorgung von Pfarreien, Ausbildung des Ordensnachwuchses. 1957 wurde in Rom
ein Haus als Sitz des Generalprokurators des Ordens gekauft; es dient zugleich
als Pilgerhaus.
In Jugoslawien gelang den Brüdern und Schwestern nach Jahren der Unterdrückung
ein bescheidener Neuanfang; aus der Tschechoslowakei wurden sie ausgewiesen.
Diese heimatvertriebenen Brüder und Schwestern brachten nach 140 Jahren
den Orden wieder nach Deutschland, sein ursprüngliches Stammland, zurück.
Die Brüder gründeten 1949 einen Konvent
in Darmstadt, übernahmen 1963 die Pfarrei Deutschorden in Sachsenhausen
und wirkten in den Diasporakuratien Wetter und Industriehof unweit Marburg. 1964
wagten sie sogar die Errichtung einer Missionsstation: sie übernahmen eine
Diaspora-Pfarrei in Lidköping in Schweden; leider musste sie 1983 wegen
Personalmangel aufgegeben werden. Die Schwestern fanden vielerorts in Fachschulen,
Kindergärten, Heimen, Spitälern sowie in der Alten- und Armenbetreuung
neue Arbeitsfelder. 1953 wurde für sie in Passau ein Mutterhaus geschaffen.
Obwohl bei der Neufassung der Regel 1929 die Einrichtung der Ehrenritter und
Marianer erloschen war, nahmen auch Laien weiterhin Anteil am Orden und zeigten
Bereitschaft, sich für dessen Ziele einzusetzen. Die ersten Neuanfänge
einer solchen Mitarbeit wurden durch das Eingreifen des Nationalsozialismus unterbrochen.
In den fünfziger Jahren wurden die Institute der Ehrenritter und Familiaren
zügig aufgebaut. Ihr Statut wurde 1965 von Papst Paul Vl. bestätigt.
Seit ihrem Zusammenschluss hat dieser Zweig des Ordens, der aus Geistlichen und
Laien besteht, den seelsorglichen und karitativen Einsatz des Ordens tatkräftig
unterstützt. Ihm gelang insbesondere der Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Kommende
Frankfurt-Sachsenhausen.
Der Deutsche Orden heute
Der Deutsche Orden mit dem offiziellen Titel "Brüder
vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem" ist ein geistlicher Orden.
Seine Hauptträger sind demnach Priester mit feierlicher Profess; zu ihrer
Gemeinschaft zählen auch Laienbrüder mit einfachen ewigen Gelübden.
Diesem männlichen Zweig ist die Kongregation der Deutschordensschwestern
mit einfachen ewigen Gelübden derart zugeordnet, dass Hochmeister und
Generalkapitel zugleich ihre Oberen sind. Das Institut der Familiaren, das
im allgemeinen aus Laien besteht, ist dem Orden geistlich angegliedert; seine
Mitglieder legen jedoch keine Ordensgelübde ab.
Die Brüder und Schwestern verteilen sich jeweils auf fünf Provinzen: Österreich,
Südtirol-Italien, Slowenien, Deutschland und Tschechien/Slowakei. Die Familiaren
gliedern sich in die Balleien Deutschland, Österreich, Südtirol und "Ad
Tiberim" in Rom sowie in die
selbständige Komturei "Alden Biesen" in Belgien; außerdem
gibt es noch Familiaren verstreut in anderen Ländern. Die Familiaren Deutschlands
bilden den eingetragenen Verein "Deutschherrenbund e.V. ".
